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Das Fußballspiel
(von Sempé und Goscinny)
Otto hat fast alle von unserer Klasse für heute nachmittag zu dem leeren Platz
hinbestellt, nicht weit von dem Haus wo er wohnt. Otto - das ist mein Freund,
er ist dick und hat immer Hunger. Aber er hat uns hinbestellt, weil sein Vater
ihm einen neuen Fußball geschenkt hat und das gibt ein richtig tolles Spiel
heute nachmittag. Der Otto ist prima.
Wir sind
um drei Uhr dagewesen auf dem Platz und wir waren achtzehn. Wir mußten die Mannschaften
aufstellen, damit beide Mannschaften die gleiche Anzahl Spieler haben.
Mit dem Schiedsrichter, das war einfach. Wir haben Adelbert genommen. Adelbert
ist Klassenerster und wir können ihn nicht besonders gut leiden, aber weil er
eine Brille trägt, kann man ihn nicht richtig verhauen und für den Schiedsrichter
ist das vielleicht gerade das richtige. Außerdem wollte keiner den Adebert in
seiner Mannschaft haben, nämlich im Sport, da kann er nichts und er weint immer
sofort. Aber es wurde schwierig, als Adelbert eine Trillerpfeife haben wollte
und der einzige, der eine hatte, war Roland, nämlich sein Vater ist Polizist.
Roland hat gesagt, nein, er kann seine Trillerpfeife nicht abgeben, nämlich
sie ist ein Familienstück, nichts zu machen. Schließlich haben wir entschieden,
daß Adelbert dem Roland Bescheid sagt und Roland pfeift für Adelbert.
»Na? Spielen wir jetzt endlich oder was? Ich krieg schon wieder Hunger!« hat
Otto geschrien. Aber da ist es erst richtig schwierig geworden, nämlich weil
Adelbert doch Schiedsrichter war, sind wir siebzehn Spieler gewesen und da war
einer zuviel und es ging nicht auf. Aber wir haben es rausgekriegt: Einer mußte
Linienrichter sein und mit einer kleinen Fahne winken, wenn der Ball aus dem
Spielfeld rausrollt. Wir haben Max gewählt. Ein Linienrichter für das ganze
Spielfeld ist natürlich nicht viel, aber Max kann sehr schnell laufen, er hat
lange magere Beine und große schmutzige Knie. Max wollte nichts davon wissen,
klar, er wollte auch lieber mit dem Ball spielen und er hat uns gesagt es geht
nicht, er hat keine Fahne. Aber dann hat er gesagt, gut, er will Linienrichter
sein - aber nur für die erste Halbzeit. Als Fahne hat er sein Taschentuch genommen,
welches ziemlich schmutzig war, aber na ja, er konnte ja nicht wissen, als er
von zu Hause weggegangen ist, daß er sein Taschentuch als Fahne braucht.
»So - kann's jetzt losgehn?« hat Otto gerufen. jetzt war's ja leichter, weil
wir nur noch sechzehn Spieler gewesen sind. Aber wir mußten natürlich einen
Mannschaftskapitän haben für jede Mannschaft. Natürlich wollten alle Mannschaftskapitän
sein. Nur Otto nicht, der wollte ins Tor gehen, nämlich er hat es nicht gern
wenn er so rumrennen muß. Wir waren alle einverstanden - Otto ist gut als Torwart,
er ist breit und der Ball kann nicht so leicht an ihm vorbei. Aber damit blieben
immer noch fünfzehn Mannschaftskapitäne übrig und das ist viel zuviel.
»Ich bin der Stärkste!« hat Franz geschrien, »ich muß Mannschaftskapitän sein
und wem das nicht paßt, dem hau ich eins auf die Nase! «
»Kapitän bin ich, ich bin am besten ausgerüstet! « hat Georg geschrien und Franz
hat ihm eins mit der Faust auf die Nase gegeben. Trotzdem, es stimmt, daß Georg
gut ausgerüstet ist, sein Papa ist sehr reich und er hat ihm eine vollständige
Fußballausrüstung gekauft, mit einem rot-weiß-blauen Trikot. »Wenn ich nicht
Mannschaftskapitän sein darf «, hat Roland geschrien, »dann ruf ich meinen Papa
und der steckt euch alle ins Gefängnis! «
Das war ich, der schließlich die gute Idee gehabt hat, die Kapitäne auszulosen
mit einem Groschen. Das heißt: mit zwei Groschen, nämlich der erste ist ins
Gras gefallen und wir haben ihn nicht wiedergefunden. Den Groschen hatte Joachim
gegeben und er war sauer, daß der Groschen weg war und er hat angefangen zu
suchen, obwohl Georg gesagt hat Quatsch, sein Papa schickt ihm einen Scheck
und ersetzt ihm den Groschen. Und schließlich sind die beiden Kapitäne gewählt
worden - Georg und ich.
»Hört mal - ich hab aber keine Lust, zu spät zum Kaffeetrinken zu kommen«, hat
Otto gerufen. »Was ist denn spielen wir oder nicht?«
Jetzt mußten ja die Mannschaften aufgestellt werden. Es war auch gar nicht
so schwer, außer bei Franz. Georg und ich, wir wollten beide den Franz in unserer
Mannschaft haben weil nämlich, wenn Franz den Ball hat, kann keiner ihn aufhalten.
Er spielt nicht besonders gut, der Franz, aber alle haben Angst vor ihm. Joachim
war froh, weil er seinen Groschen wiedergefunden hatte und wir haben ihn gebeten,
daß er den Groschen nochmal hochwirft für Franz und der Groschen ist wieder
ins Gras gefallen und war weg. Joachim hat angefangen zu suchen und diesmal
war er richtig wütend und schließlich hat Georg den Franz doch gewonnen durch
Streichhölzchen-Ziehen. Georg hat ihn als Torwart eingesetzt, nämlich er hat
sich gedacht, wenn Franz im Tor ist, traut sich keiner ran, denn der Franz wird
leicht wütend. Otto hat schon wieder Kekse gegessen und er hat zwischen den
Steinen gesessen, wo sein Tor war. Er hat ein Gesicht gemacht, daß man gleich
sehen konnte, ihm paßt das Ganze nicht. »Na was ist? Wird's bald, wie?« hat
er geschrien.
Wir haben uns aufgestellt. Weil wir nur sieben auf jeder Seite
waren, ist das nicht so einfach gewesen
und es hat bei beiden Mannschaften Krach gegeben. Fast alle wollten Mittelstürmer
sein, nur Joachim hat als rechter Verteidiger spielen wollen, weil er während
des Spiels den Groschen weiter suchen wollte, der lag da ungefähr in der Gegend.
In Georgs Mannschaft haben sie sich schnell zurechtgefunden, nämlich der Franz
hat mit der Faust dazwischen gehauen und die Spieler sind auf ihre Plätze gegangen
ohne viel zu sagen und sie haben sich die Nase gerieben. Wo der Franz hinhaut,
da wächst kein Gras mehr! In meiner Mannschaft sind wir überhaupt nicht einig
geworden. Aber dann hat Franz gesagt, er kommt rüber und haut uns auch eins
auf die Nase und da haben wir uns aufgestellt. Adelbert hat zu Roland gesagt:
»Los - pfeifen Und Roland, der in meiner Mannschaft war, hat angepfiffen. Georg
ist aber nicht einverstanden gewesen, er hat gesagt es ist gemein, daß seine
Mannschaft gegen die Sonne spielen muß und wir haben den Anstoß. Ich habe zu
ihm gesagt wenn ihm die Sonne nicht gefällt, soll er die Augen zumachen, vielleicht
spielt er dann besser. Na, und dann haben wir uns gehauen und Roland hat auf
der Trillerpfeife geblasen.
»Ich hab doch nicht gesagt, daß du pfeifen sollst!« hat Adelbert geschrien.
»Der Schiedsrichter bin ich!« Das hat Roland nicht gefallen und er hat gesagt,
er hat Adelberts Erlaubnis nicht nötig und er pfeift wann er Lust hat und nee
wirklich, das wäre ja noch schöner. Und dann hat er gepfiffen wie'n Verrückter.
»Du bist frech - ganz frech bist du!« hat Adelbert geschrien und er hat angefangen
zu heulen.
»He - Jungens«, hat Otto aus seinem Tor gerufen. Aber keiner hat
auf ihn gehört.
Ich hab mich weiter mit Georg rumgehauen und hab ihm sein schönes blau-weißrotes
Trikot zerrissen und er hat gesagt, pöh, das macht gar nichts, sein Papa kauft
ihm eine Masse neue, und dann hat er mich getreten, gegen die Schienbeine und
richtig feste. Und Roland ist hinter Adelbert hergerannt und der hat geschrien:
»Ich trage eine Brille - ich trage eine Brille!« Joachim hat sich um gar nichts
gekümmert sondern er hat sein Geld gesucht, aber gefunden hat er nichts. Franz
ist ganz ruhig in seinem Tor geblieben, aber dann hat er genug gehabt und hat
angefangen, jeden auf die Nase zu hauen, der in seine Reichweite kam und das
waren natürlich die aus seiner Mannschaft. Wir sind alle rumgerannt und haben
geschrien und wir haben einen Mordsspaß gehabt und es war dufte. »Halt, Jungens«,
hat Otto gerufen.
Da ist der Franz aber wütend geworden. »Erst hast du uns angemeckert, weil
wir nicht spielen - jetzt laß uns gefälligst auch spielen! Und wenn du was zu
sagen hast, dann warte bis zur Halbzeit!« »Was denn für 'ne Halbzeit?« hat Otto
gesagt. »Mir ist gerade eingefallen: wir haben ja gar keinen Ball! Ich hab ihn
zu Hause liegenlassen.«

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