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Wer sich in dieser nächtlichen Stunde im Wald von Maine aufgehalten
hätte, der wäre furchtbar erschrocken. Er hätte nämlich
einen kleinen Jungen in schmutziger und verschlissener Kleidung gesehen,
der durch den Wald wanderte.
Das ist eigentlich nichts Außergewöhnliches Das Unheimliche
daran war nur, daß der kleine Junge auf unerklärliche Weise
durch die Luft schwebte."Bleib stehen, Elliott, sie sind jetzt ganz nahe",
flüsterte der Junge einem unsichtbaren Begleiter zu. Dann setzte er
die Füße auf den Boden, als ob er von irgend etwas absteigen
würde. Schnell rannte er hinter einen umgestürzten Baum und versteckte
sich.
Das Geräusch brechender Zweige und schwerer Schritte war zu hören.
Ein Lichtschein flimmerte durch das Dickicht.
"Piiiet!" rief eine Stimme. Als der Junge das hörte, duckte er
sich in seinem Versteck noch mehr zusammen und gab keinen Laut von sich.
Ein junger, grober Bursche schritt ganz dicht am Versteck des Jungen
vorbei und versuchte, mit einer Laterne die Dunkelheit zu durchdringen.
"Piiiet!", rief er wieder. "Ich weiß, daß du dich hier
versteckst. komm endlich raus, sonst prügel ich dich windelweich!"
Der Junge hätte seinen Verfolger mit ausgestreckter Hand berühren
können, so nahe ging er gerade an ihm vorbei. Er hielt sich jedoch
mucksmäuschenstill und betete inbrünstig, daß man ihn nicht
entdeckte.
Drei weitere Strolche trafen in der Nähe zusammen und suchten
ebenfalls nach dem Jungen. Sie brüllten aus Leibeskräften seinen
Namen.
Einer von ihnen streckte den Arm vor und wollte mit seiner Laterne
gerade dorthin leuchten, wo sich Piet verkrochen hatte. Aber im gleichen
Augenblick sauste der Mann, der vor ihm stand, wie von einer geheimnisvollen
Kraft gestoßen durch die Luft und landete mitten in einer großen
Pfütze.

"Was bist du doch für ein Tolpatsch, Robert", lachte sein Bruder.
,,Statt nach Piet zu suchen, wälzt du dich wie ein Schwein im Schlamm."
"Du hast mich gestoßen, Willie", fauchte der besagte Robert und
wischte sich die Erde aus dem Gesicht. "Ich werde dich. ..". Aber bevor
er den Satz aussprechen konnte, hatte auch sein Bruder von irgendwoher
einen Stoß erhalten und gesellte sich zu ihm in die Pfütze.
"Ha, ha, ha!" lachte Robert über seinen schmutzverschmierten Bruder.
"Dir macht es wohl auch Spaß, wie ein Ferkel auszusehen."
Robert und Willie hegten keine sehr brüderlichen Gefühle
füreinander. Zornig gingen sie aufeinander los und prügelten
sich.
"Was hast du gemacht, Elliott", zischelte Piet aus seinem Versteck
heraus. "Sie werden uns noch entdecken."
Als die Rauferei zwischen den Brüdern Gogan in vollem Gange war,
ertönte plötzlich eine ärgerliche Stimme. "So vergeudet
ihr also eure Zeit, ihr Dummköpfe!"
Ein langer dürrer Kerl mit mürrischem Gesicht tauchte auf
und riß die Streithähne Wille und Robert auseinander. Es war
der Vater der beiden.
"Genug jetzt!" sagte er böse. "Statt hier herumzualbern, solltet
ihr besser diesen verdammten Jungen suchen. Wenn er uns entkommt, geht
uns eine schöne Stange Geld flöten. kommt, wir suchen ihn jetzt
woanders! Und sperrt mir ja die Augen auf! Wer weiß, wo sich dieser
Bursche verkrochen hat."
Piet atmete erleichtert auf, als er sah, wie seine Verfolger zwischen
den Bäumen verschwanden. Bald verlor sich der Lichtschein in der Ferne.
Der Junge hatte im Augenblick nichts zu befürchten.
Am nächsten Morgen wachte Piet ziemlich verschlafen auf. Die Sonne
schien ihm voll ins Gesicht. Er lag noch an derselben Stelle wie am Vorabend,
als er sich vor den Brüdern Gogan versteckt hatte. Sobald sie hinter
den Bäumen verschwunden waren und er sich sicher gefühlt hatte,
war er sofort erschöpft eingeschlafen. Wenn etwas Schlimmes geschehen
sollte, wird mich Elliott sicher beschützen, hatte er noch beruhigt
gedacht. Denn auf Elliott konnte er sich wirklich verlassen.
Aber wer war denn eigentlich dieser geheimnisvolle Elliott, von dem
hier die Rede ist?
Im Augenblick aß er gerade Äpfel, die er drüben am
Waldrand direkt vom Baum pflückte. Er war sehr groß, mehr noch,
er war riesengroß. Er wog gewiß mehrere Tonnen und hatte eine
grell-grüne Farbe. Sein langer Schwanz war mit silbrig glänzenden
Schuppen verziert, und aus dem Rücken wuchsen ihm zwei kleine rosa
Flügel. Ihr habt es erraten! Es war ein Drache. Einer, der aus dem
Rachen Feuer speien und sich obendrein noch ganz schnell unsichtbar und
wieder sichtbar machen konnte.
"Guten Morgen, Elliott", begrüßte Piet ihn fröhlich.
Er lief zu seinem Riesenfreund, kletterte auf seinen Drachenschwanz und
begann, Äpfel zu pflücken und sie dem Ungeheuer zuzuwerfen.
Elliott fing sie auf wie ein gut dressierter Hund.
"Weißt du was, Elliott?" sagte der Junge. "Ich glaube, wenn ich
nicht das Glück gehabt hätte, dir zu begegnen, wäre ich
mein ganzes Leben lang der Sklave der Gogans geblieben."
Das Monster schmunzelte gutmütig. Dann nahm es den letzten Apfel,
der noch übrig war, und führte ihn zum Mund. Etwas sehnsüchtig
blickte Piet dem Apfel nach. Wenigstens einen hätte er gern selber
gegessen. Elliott stieß einen Feuerstrahl aus, so grell und heiß
wie ein Backofen, und übergab seinem kleinen Freund einen köstlichen
Bratapfel.
"Es ist Zeit zum Aufbruch", sagte Piet und biß hungrig in den Apfel.
"Suchen wir ein Dorf hier in der Nähe, wo ich bleiben kann und wo
mich die Gogans nicht finden."
Fröhlich singend machten sie sich auf den Weg und stießen
bald auf ein Ortsschild, das Piet nur sehr schwer entziffern konnte. "Passamaquoddy...
Was für ein komischer Name", murmelte er. "Wir wollen sehen, ob wir
hier Glück haben und ich gut aufgenommen werde. . Übrigens, Elliott,
so kannst du nicht mitkommen. Das gäbe eine schöne Aufregung,
wenn plötzlich ein Drache auftaucht."
Elliott machte sich zu einem Teil unsichtbar und wartete, was Piet
dazu sagen würde.
"Nein, Elliott Du mußt dich ganz unsichtbar machen!" Der Körper
des Monsters verschwand, nur der Kopf blieb noch übrig.
"Aber bitte! Du glaubst doch nicht, daß ein in der Luft schwebender
Drachenkopf weniger Angst macht als ein ganzer Drache!" Elliott sah das
ein und machte sich völlig unsichtbar.
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